Clemens August Graf von Galen

Namenstage: Clemens

Funktion: Seliger, Bischof von Münster, Kardinal

Gedenktag: 22. März

Clemens August wurde am 16. März 1878 auf Burg Dinklage (im Oldenburger Münsterland) als elftes Kind der gräflichen Familie von Galen geboren. Gemeinsam mit seinem Bruder Franz besuchte er das Jesuitengymnasium in Feldkirch (Österreich) und danach das katholische Gymnasium in Vechta (Oldenburg). 1897 begann er Geschichte, Literatur und Philosophie in Fribourg zu studieren. Nach einer Privataudienz bei Papst Leo XIII. im Rahmen einer Pilgerfahrt nach Rom (1898) erfolgte ein Sinneswandel, und Clemens August beschloss Theologie zu studieren. Am 28. Mai 1904 wurde er zum Priester geweiht und war fortan als Domvikar und Kaplan bei seinem Onkel, Weihbischof Maximilian Gereon Graf von Galen, tätig. Nach Stationen als Pfarrer der Gemeinden St. Matthias in Schöneberg (1919) und St. Lamberti in Münster (1929) wurde Clemens August am 5. September 1933 zum Bischof von Münster ernannt.


Während der Weimarer Republik war Clemens August ein wichtiges Mitglied der Zentrumsfraktion des Deutschen Reichstags und politisch stark national und konservativ orientiert. Dem erstarkenden Nationalsozialismus trat der Bischof mit vehementer Kritik entgegen: Sein erster Osterhirtenbrief vom 26. März 1934 stellte sich klar gegen die Ideologie des Nationalsozialismus, den er Neuheidentum nannte; der Osterhirtenbrief des Folgejahres richtete sich in aller Deutlichkeit gegen die Rassenlehre und die Euthanasie-Programme der Nationalsozialisten. Im Frühling 1937 ließ er die Enzyklika »Mit brennender Sorge« von Papst Pius XI. in seinem Bistum verlesen und vervielfältigen. Obwohl der Bischof unter genauer Beobachtung stand, konnten ihm die Machthaber kaum etwas anhaben, da er bei den Menschen, die ihn den »Löwen von Münster« nannten, enorm populär war und das Regime keine katholischen Märtyrer schaffen wollte. Große Berühmtheit erlangten Clemens Augusts Predigten von St. Lamberti im Jahr 1941, in denen er in aller Offenheit erneut die Euthanasie-Programme und die Beschlagnahmung kirchlichen Eigentums durch das NS-Regime kritisierte. Die Predigten wurden heimlich vervielfältigt und unter den Gläubigen verbreitet. 1943 hatte der Bischof wohl auch Kontakt zum Widerstandskämpfer Carl Friedrich Goerdeler (1884–1945).


Trotz seines entschiedenen Auftretens gegen das nationalsozialistische Regime gibt es auch durchaus kritische Stimmen, die dem Bischof vorwerfen, sich nicht auch explizit gegen die Verbrechen an Juden und Kommunisten ausgesprochen zu haben (den Angriff auf die Sowjetunion etwa hatte er ausdrücklich begrüßt). Darüber hinaus kritisierte Clemens August die alliierten Mächte nach der Befreiung heftig und nahm die Wehrmacht in Schutz, indem er die in der frühen Nachkriegszeit populäre Meinung vertrat, nur einige wenige seien an den Verbrechen der NS-Zeit beteiligt gewesen.


Am 21. Februar 1946 wurde dem Bischof von Papst Pius XII. die Kardinalswürde verliehen. Wenig später, am 22. März 1946, verstarb Clemens August an einem Blinddarmdurchbruch und wurde in der Ludgeruskapelle des Münster Domes beigesetzt. Am 9. Oktober 2005 erfolgte die Seligsprechung unter Papst Benedikt XVI. in Rom. Reliquien des Seligen wurden in verschiedene Kirchen übertragen (u. a. Billerbeck, Xanten, Berlin und Rom).

 

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010