Blühe dort, wo du gepflanzt bist!
Liebe Leserin, lieber Leser!
Es ist Mitte April. In unserem Garten blühen Primeln, Osterglocken und Tulpen. Auch der Kirschbaum steht in voller Blüte und wird von Bienen regelrecht umschwärmt. Wenn Sie nun, ein paar Wochen später den Juni-Seniorenbrief in Händen halten, sind die Frühlingsblumen längst verblüht und haben dem Sommerflor Platz gemacht. Doch tief in der Erde im Verborgenen sammeln die Blumenzwiebeln bereits neue Kraft, um im nächsten Frühjahr wieder austreiben und sich neu entfalten zu können.
Mitten im Leben schwer vorstellbar, dass unsere eigene Blütezeit früher oder später zu Ende geht – und doch ist es der Lauf des Lebens! So durfte am Mittwoch der Karwoche, dem 1. April, unser liebwerter Hermann Seiler im Alter von nahezu 86 Jahren nach schwerer Krankheit für immer einschlafen und sein Leben in die Hand Gottes zurücklegen. „Da müssen wir durch!“, so Hermanns Worte bei unserem letzten Krankenbesuch – im festen Vertrauen, dass Gott ihn mit offenen Armen empfangen wird. „Aus dem Kreuz und Leiden blühen Osterfreuden“, so haben wir in der Osternacht gesungen („Christus ist erstanden“, Gotteslob Nr. 798). Welch tröstliche Vorstellung, dass wir am Ende unseres Lebens in Gott Vollendung finden! Wer von Bühl nach Eisental entlang des Affentaler Wegs und der Weinberge wandert, kommt an diesem Wegkreuz vorbei. Das Kreuz symbolisiert die Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Irdischem und Göttlichem. Auch Hermann und seine liebe Frau Traudel konnte man hier oben antreffen – mit Windjacke und Walkingstöcken ausgestattet und stets bestens gelaunt.
„Blühe dort, wo du gepflanzt bist!“ Dieses Sprichwort könnte gut und gerne Hermanns Lebensmotto gewesen sein, er war ein Lebenskünstler par excellence! Seine Familie stand immer an erster Stelle. Darüber hinaus hat er Freundschaften intensiv gepflegt und sich um die Menschen gekümmert, die ihm anvertraut waren. Hermann war leidenschaftlicher Fotograf und Sänger, begeisterter Wander-, Natur- und Gartenfreund – und hat vieles zum Blühen gebracht!
Hermann war mit Humor und Lebensfreude gesegnet. Im Nu verbreitete er Fröhlichkeit, dabei blitzte in seinen Augen stets jungenhafter Schalk auf! So war es keine Frage: Auch an Fastnacht schlüpfte er liebend gern in die Rolle und das Kostüm des Clowns. Auch im Februar 2024 überraschte er die Seniorengemeinschaft mit einer brillanten Büttenrede. Nebenbei hielt er das „bunte Treiben“ mit der Kamera fest – Nachbericht für die Homepage und den Seniorenbrief inklusive! Hermann war ein „Meister des Wortes – und der Kommunikation“! Dass er seine Talente jahrzehntelang in den Dienst unserer Kirchengemeinden stellte, war ihm selbst ein Herzensanliegen – und für uns ein Segen! Unzählige Gottesdienste, Kirchenfeste und Jubiläen hielt er in Wort und Bild fest, u. a. auch für das Kloster Maria Hilf in Bühl – zur Freude der Ordensschwestern, mit denen er geschwisterlich verbunden war.
Bewundernswert auch die von ihm liebevoll und individuell gestalteten Glückwunschbriefe und Grußkarten zu Ostern, Weihnachten, Geburtstagen und anderen Anlässen, mit denen er stets Familie, Freunde und Weggefährten erfreute.
Im April 2025 durfte Hermann mit seiner lieben Traudel in St. Maria, Kappelwindeck das Fest der Diamantenen Hochzeit feiern und Gott danken für 60 Jahre Eheglück – in Zelebration von Pfarrer Martin Drathschmidt und im Beisein von Familie und Freunden.
Besonders durch unsere gemeinsame Arbeit für den Seniorenbrief in den letzten fünf Jahren, den regelmäßigen Austausch und gegenseitige Motivation wurde mir Hermann Wegbegleiter, Vorbild im christlichen Glauben und väterlicher Freund. Mit ihm konnte man über Gott und die Welt reden, dabei hatte er stets ein aufmunterndes oder tröstliches Wort „parat“. Zwischendurch ein lieber Anruf: „Uli, wie geht’s?“, ein „Hallo“ im Vorbeiradeln oder ein kleiner Plausch nach dem sonntäglichen Gottesdienst auf dem Kirchplatz, bevor „das Mittagessen rief“. Nach einem kurzen Blick auf die Armbanduhr dann ein von Herzen kommendes „Tschüssi – wir sehen uns!“, bevor er davonradelte – nicht ohne ein Lächeln auf den Lippen und einer Winke-Hand zum Abschied.
Wer Hermann Seiler gekannt hat, wird sich gern an solche oder ähnliche Begegnungen und Episoden erinnern – und gewiss mehr als einmal ins Schmunzeln geraten. Und doch können unsere je eigenen Erinnerungen an „diesen wunderbaren Menschen“ (wie es ein Pfarreimitglied heute formuliert hat!) nur Bruchstücke sein, Mosaiksteine aus einem erfüllten Leben, das nun vollendet ist. Und so ist es an uns, Abschied zu nehmen.
Lieber Hermann, Du bist und bleibst unvergessen!
Unser christlicher Glaube sagt: Ja, wir sehen uns!
Bis dahin: Leb wohl! „Tschüssi“– und DANKE für alles!
Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, einen möglichst sorgenfreien und farbenfrohen Sommer – mit viel Leichtigkeit, Lebendigkeit und jeder Menge Blühkraft wünscht Ihnen
Ihre Ulrike Müller
im Namen der Seniorenbrief-Redaktion